Stadtmagazin 37
03/04 2003
Wetten Dass und Cricket

von Matthias Mödl

Die Uni Göttingen hat eine interessante Cricket-Sparte. Sie ist Gründungsmitglied des Deutschen Cricket-Bundes, sie errang bei den Norddeutschen Hallenmeisterschaften im Februar in Göttingen den zweiten und vierten Platz und in ihr sind 15 Nationen vertreten. Ohne eine Wette würde die Cricket-Sparte vielleicht aber nicht einmal existieren.

Was ist eigentlich Cricket? Ist das nicht dieses gemütliche Spiel, bei dem ältere Damen und Herren größere Kugeln mit langstieligen Holzhämmern durch kleine Törchen schlagen? Nein, das ist Krocket. Cricket ist auch nicht das Spiel auf den Pferden, beim dem sich Prinz Charles mit Vorliebe den Arm bricht. Das ist Polo. Beim Baseball wird im Gegensatz zum Cricket mit einem runden Schläger gespielt, aber damit kommen wir der Sache schon näher. Cricket ist ein Fang- und Rückschlagspiel. Die Grundidee ist das Duell zwischen einem Werfer (Bowler) und dem Schlagmann (Batsman). Der Bowler gehört zur Feldmannschaft und schleudert den Ball mit ausgestrecktem Arm auf den Batsman, der sein Wicket verteidigen muss.

Wenn der Batsmann den Ball trifft, erhält er einen Punkt. Zerstört der Ball jedoch sein Wicket, muss er den Platz verlassen. Das geht solange, bis zehn Batsmen "out" sind oder bis eine festgelegte Anzahl an Wurfserien geworfen wurden. Die Mannschaften tauschen dann die Rollen. Die neue Schlagmannschaft hat nun zum Ziel, die Punktzahl der ersten Mannschaft zu überbieten. Bei erfolgreicher Mission hat sie gewonnen. Die Cricket-Auswahl der Uni Göttingen setzt diesen Auftrag zunehmend erfolgreich um. 1988 gehörte die Cricket-Sparte zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Cricket-Bundes und zahlte in Vergleichswettkämpfen noch viel Lehrgeld. Mittlerweile haben sich ihr Studenten und Universitätsangehörige aus 15 Nationen angeschlossen. Die Spielklasse heißt Bundesliga. Bei den Norddeutschen Hallenmeisterschaften im Februar vor heimischem Publikum trumpften gleich zwei Teams der Georgia Augusta auf und belegten die Plätze zwei und vier. Zudem wurde Vize-Kapitän Phil Brown als bester Spieler und Sören Köster als bester Newcomer des Turniers ausgezeichnet. Doch ohne eine Wette wäre Göttingen in der Deutschen Cricket-Landschaft vielleicht heute noch ein unbedeutender Fleck.

Zwei Göttinger Studenten wetteten 1980, dass es nicht möglich sei, innerhalb von sechs Wochen ein Team zu bilden, die notwendige Ausrüstung zu erhalten und den Termin für ein Spiel festzulegen. Unterstützt durch den British Tourist Board in Frankfurt wurden Kontakte zur britischen Armee geknüpft. Das 1. Königliche Panzerregiment in Hildesheim lieferte die Ausrüstung und bot ein Spiel in ihrer Kaserne an. Die erste Mannschaft der Uni Göttingen war eine Mischung aus erfahrenen Cricketspielern und solchen, denen man eher steile Lernkurven nachsagen konnte. Alle kamen vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, die meisten aus der Abteilung für Neurobiologie. Das Spiel war sehr lustig, auch wenn die Georgia Augusta nur Zweiter wurde. Die Wette war gewonnen. Wetteinsatz war ein Drei-Gänge-Menü bei einem Italiener inclusive Aperitif, Wein, Kaffee und Cognac. Eigentlich müsste man die beiden Wettpaten als Dank noch einmal auf ein solches Festmahl einladen.